Liebster Award

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Liebe Klabauterfrau, danke für den Druck, danke für einen Abend am Rechner, danke für diese Nominierung. Mir ist warm….tierisch warm, ich hab` Durst und mir ist irgendwie gar nicht nach schreiben. Aber ich beisse die Zähne zusammen und tippe und lese…..lese und tippe. Ich hoffe die Welt wird dadurch etwas besser oder man lebt vielleicht etwas länger oder wird im nächsten Leben als irgend etwas geboren was nichts mit Menschen und menschlichen Problemen, dem Verlangen nach Mitteilung und Beachtung zu tun hat. Ich will im nächsten Leben meine Ruhe….vielleicht Tiefseefisch, auch wenn die total hässlich sind. Sieht ja eh keiner, ist ja dunkel.

Also gut ….die Fragen

Doch was ist der „Liebster Award“ überhaupt?

Der „Liebster Award“ unterstützt in erster Linie neue Blogs, um in der Bloggerwelt bekannter zu werden. Natürlich ist es für „alte Hasen“ (die weniger als 300 Follower haben) auch eine gute Möglichkeit, noch etwas bekannter zu werden. Der „Liebster Award“ ist eine Vernetzung zwischen Bloggern. Es funktioniert ganz einfach. Man wird nominiert, beantwortet die gestellten Fragen, stellt selbst wieder Fragen und nominiert erneut Blogs für den Liebsten Award.

Die Regeln:

– Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite. Falls möglich, hinterlasst auf ihrem Blog einen entsprechenden Kommentar, in dem ihr auch für andere sichtbar den Award annehmt.

– Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite, so dass der Liebster Award nach außen hin sichtbar ist und bleibt.

– Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite. Wer über die Fragen hinaus Fakten über sich präsentieren möchte, kann dies in einem eigenen Blog: Fakten über mich (bis zu 11 möglich); wer mit den Fragen gar nichts anfangen kann, darf sie ausnahmsweise auch mal gegen Fakten austauschen; sollte das dann aber auch entsprechend begründen.

– Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf euren Blog.

– Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

– Nominiert zwischen 2 und 11 Blogger mit weniger als 300 Follower, die ihr gerne weiter empfehlen wollt.

– Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt. Empfohlen wird dafür die Kommentarfunktion auf den jeweiligen Blogs zu nutzen, falls diese passend ist.

– Empfohlen wird auch, die jeweils Nominierten vorab zu fragen, ob sie überhaupt mitmachen wollen, damit sie sich nicht überfallen fühlen.

….und ja, ich fühle mich überfallen 😉

1.Wie würdest Du Dich selbst mit 5 Worten beschreiben?

In 5 Worten….sportlich, zickig, eigensinnig, liebenswürdig, tiefsinnig….ungeduldig…das 6. Wort hab ich nur genommen, weil ich 2. zickig bin

2.Was macht dich zum Blogger?

…ehrlich gesagt weiß ich es nicht, was ist eigentlich ein Blogger? Früher hat man Tagebuch geschrieben, nur so für sich selbst, heute möchte man ein kleiner Schriftsteller sein mit gaaanz vielen Likes. Andererseits macht es Spass, seinen Gedanken einfach mal freien Lauf zu lassen und wenn es dann noch anderen ein Grinsen entringt, ist es ne gute Sache. Tagebuch schreibe ich nicht, also blogge ich….wenig, aber ich blogge, also bin ich ein Blogger…ein Miniblogger sozusagen.

3.Welche Musikband hat bleibende Schäden bei dir hinterlassen?

Ganz klar, Elvis, Beatles, Stones, AC/DC um nur einige zu nennen…..Ach, du hattest nach bleibenden Schäden gefragt. Ich denke es war Roy Black mit diesem Kind….“Schön ist es auf der Welt zu sein, sagt die Biene zu dem Stachelschwein….“ Vielleicht war es auch die neue deutsche Welle…Nee, es war Ilja Richter, auch wenn das keine richtige Band war. Ich glaube ich habe auch einen Schaden von diesem schwarzen Tänzer von Boney M…Ehrlich gesagt hat wahrscheinlich vieles bei mir Schäden hinterlassen…so oder so

4.Eine Fee kommt heute zu dir. Welche 3 Wünsche hast du?

Da ich glücklich verheiratet bin und auch bleiben möchte muss ich kurz nachdenken.

Also Wunsch Nr1: ich wünsche mir, das es mir völlig egal ist, was andere Menschen von mir denken.

Wunsch Nr2: ich wünsche mir mit meiner Frau alt zu werden

Wunsch Nr3: ich wünsche mir auf dem Sterbebett ein Lächeln auf dem Gesicht und genug Kraft um den Mittelfinger für all die auszustrecken, die es verdient haben

5.Gibt es ein Land, welches du gerne bereisen würdest?

Ganz klar, JA!

6.Was war bisher der aufregendste Augenblick in deinem Leben?

Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Vielleicht war es der erste Klingelstreich oder die erste Zigarette im Busch oder die Führerscheinprüfung, das erste Treffen mit meiner Frau….nee, das erste Treffen mit den Schwiegereltern war aufregender….die Geburt unseres Sohnes, das erste Tattoo…..ich glaube der aufregendste Augenblick im Leben ist das Sterben und die Erwartung endlich zu erfahren was danach kommt.

7.Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen, wenn du nur Platz für 3 Teile in deinem Koffer hast?

Ein Messer, Feuereisen, Stein und Zunder ( ich zähle das Feuerzeugs mal als eins ) und ein langes Tau

8.Wenn Du in der Zeit reisen könntest, wo würdest Du am liebsten mal einen Tag lang vorbeischauen?

Ohh…da gäbe es so einiges. Ich würde gerne wissen ob Gott Adam und Eva erschuf oder ob wir uns aus dem Affen entwickelt haben. Ich würde auch gern mal nachsehen, ob Jesus wirklich gelebt hat und ihm erzählen, wie viele Menschen seinetwegen sterben mussten,  wie viele Bauern enteignet wurden, Frauen verbrannt und Kinder missbraucht wurden. Ich würde in die Zeit des Propheten Mohammed reisen und ihn töten, ich würde Hitler in der Schule mobben…ich glaube ich würde am liebsten in die Zeit zwischen 800 und 1050 n. Chr. und mit skandinavischen Wikingern Island Grönland und Neufundland entdecklen.

9.Was möchtest du in diesem Leben auf jedenfall noch erleben?

Ich möchte erleben, dass ich mit mir vollkommen zufrieden bin und mich jeden morgen auf ein neues aufregendes Abenteuer freue.

10.Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was würdest du am liebsten tun?

Ich würde mir ein großes Schiff kaufen und mit meiner Frau und unserem Sohn die Segel hissen. Länder erkunden, in denen wir noch nie waren und auf keinen Fall ne Finca auf Malle.

11.Verrätst du zum Schluss noch einen richtigen Geheimtipp?

Mein Geheimtipp ist meine Frau…aber wie gesagt, das ist MEIN Geheimtipp. Ich brauche keine Fee und kein Geld…Sie ist das Aufregendste in meinem Leben und wenn ich etwas im Leben noch erleben möchte, dann mit ihr. In diesem Sinne….Danke für die Nominierung Klabauterfrau.

  • Meine Nominierungen folgen in den nächsten Tagen. Ich brauche etwas Zeit in der Gedankenschmiede für 11 fiese neue Fragen 😉

 

 

Die Zeit vergeht und das Leben tätowiert uns ohne dass wir es merken

Tattoos…..was ist nicht schon alles darüber geschrieben, geredet und gestritten worden.

Es gab sie schon immer und wird sie wohl auch immer geben, solange Menschen auf der Erde leben, die sich schmücken wollen, ihre Zugehörigkeit zu Stämmen zeigen wollen, ihren Gegnern Angst einjagen wollen oder einfach der Mode hinterherlaufen wollen.

Der eine liebt sie, der andere hasst sie und dem anderen sind sie egal.

Ich möchte hier weder die eine noch die andere Seite unterstützen noch will ich über die Geschichte der Tattoos berichten. Ich will nicht die Gründe nennen, warum sich Menschen Farbe unter die Haut stechen lassen oder was ich als vertretbares Motiv eines Tattoos ansehe.

Ich schreibe hier über meine Tattoos, die ein Teil meiner eigenen Geschichte sind. Wer an dieser Stelle schon die Stirn runzelt oder Gedanken wie: „wie kann man nur“ aufkommen spürt, bitte schließen und weiter nach Rezepten suchen.

Ich möchte mich weder streiten noch verteidigen müssen….ich möchte nur berichten.

Mein erstes Tattoo:

Ich war gerade 18 oder 19 Jahre alt, als sich in mir der Gedanke regte: ich möchte ein Bild auf der Haut tragen.

Was es werden sollte? Keine Ahnung

Die Zeit in der wir uns befinden ist Ende der 80er Jahre. Die Hippies waren verschwunden, Punks und Skins gab es noch. Die Popperkultur lebte neben den Vokuhilas und Schnautzer konnten 20cm unter sich oft Goldkettchen entdecken.

Die Orte, an denen man tätowiert werden konnte waren sehr überschaubar und meist in den Händen eines berüchtigten Rockerclubs vor Ort.

Ich machte mich also auf den Weg. 18 oder 19 Jahre alt, Edwin Jeans, hohe Turnschuhe, Lederjacke auf Taille geschnitten und Mittelscheitel.

Es war eine alte Spelunke in einem Problemviertel, direkt neben dem Clubhaus eines Motorradvereins, der sich bis heute mit geflügelten Totenköpfen schmückt. Am Tresen versammelten sich schätzungsweise 30 Jahre Knast.

Als ich den Saal betrat kam ich mir vor wie in einem dieser alten Western. Ein Fremder betritt eine Bar und der Klavierspieler hört auf zu spielen. Alle Blicke richteten sich auf den Fremden und das einzige Geräusch was zu hören ist, ist das unsichere Schlucken des Fremden.

Ein bärtiger Hühne sah mich über den klebrigen Tresen an und sagte, ich müsste nach Hause, meine Mutter würde sich Gedanken machen. Ich nahm allen Mut zusammen und nuschelte etwas von „Tattoo“. Der Wikinger am Ausschank griff unter den Tresen und schmiss mir drei dicke Ordner entgegen. Ich sollte mir ein Motiv aussuchen.

Ich blätterte und blätterte, bis ich etwas fand, was mir gefiel. Mit dem Finger auf dem Bild ging ich zurück zum Tresen. Ich sollte mich hinsetzen und warten. Nach einer Weile wurde ich in ein Hinterzimmer gerufen.

Der Tätowierer war ein kleiner, untersetzter bärtiger Typ, mit Seemannsmütze, der mich irgendwie an den Vater von Pipi Langstrumpf erinnerte. Sein Name war Mecki. Er zeigte mir das Bild und ich nickte. Er fragte wo ich es hin haben wollte und ich zeigte auf meinen Hintern. Mecki runzelte die Stirn und sah mich etwas skeptisch an. Dann meinte er, ich solle die Hose ausziehen und mich hinlegen.

Das stechen ging irgendwie recht schnell, ob ich Schmerzen hatte, weiß ich nicht mehr. Ich war jedenfalls zum einen froh, diesen Laden hinter mich zu lassen und zum anderen stolz wie Oskar. Ich hatte einen Indianer auf dem Arsch.

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Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kamen immer mal wieder neue Motive dazu. Mal ein Federschmuck auf dem Oberarm, dann die Kindernamen in Runenschrift, Sternzeichen, wichtige Daten, Partnertattoos, Fantasymotive, Symbole…..

Irgendwann interessierte ich mich mehr dafür. Ich las und studierte alles was ich über die Geschichte der Tattoos finden konnte, informierte mich über Techniken und Farben. Da ich immer viel gezeichnet hatte wuchs in mir ein Gedanke. Ich wollte es selbst ausprobieren.

Es folgte monatelanges Suchen nach den richtigen Maschinen, Nadeln, Farben und Hygieneartikeln, diversen Übungen auf Obst und Übungshaut. Irgendwann war es dann soweit. Ich stach mir selbst mein erstes Tattoo.

Es folgten weitere….viele weitere. Es blieb nicht aus, das Leute in meiner Umgebung mitbekamen was ich tat und auch etwas wollten.

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So kam über die Jahre etwas ins Rollen, was vor über 25 Jahren in dieser Spelunke begann. Ich richtete mir ein Studio ein. Meine Frau als gelernte Mediengestalterin berät die Kunden bei der Motivwahl und entwirft dann in Absprache mit mir zusammen die gewünschten Vorlagen.

Es macht mir Spaß. Als Kunden haben wir mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Geschichten zu tun. Der eine will sich an ein verlorenes Kind erinnern, der andere ein Symbol für seinen Lieblingssport. Mädchen wollen Rosen und Schnörkel. Männer Drachen und Totenköpfe. Jeder stellt die gleichen Fragen….Wo tut es am meisten weh? Was würdest du nicht stechen? Ist schonmal jemand ohnmächtig geworden? …und irgendwann die Frage auf die ich immer warte: Dauert es noch lange????

Ich weiß, dass es unterschiedliche Meinungen über dieses Thema gibt und ich will, wie ich am Anfang schon schrieb, weder für die eine noch für die andere Seite Partei ergreifen.

Ich möchte allerdings an dieser Stelle etwas klarstellen. Auch Menschen ohne Tattoos werden alt und schrumpelig und sehen selbst mit jungfräulicher Haut nicht mehr bikinitauglich aus.

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Also: KEEP CALM AND TATTOO ON

 

….on the Road again

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….es war 1988, dunkel, kalt, November. Meine erste Fahrstunde mit dem Motorrad. In zwei Monaten sollte ich 18 werden und ich wollte Biker werden.

Der Fahrlehrer erklärte mir fröstelnd und mit roter Nase die Armaturen und sagte mir worauf ich zu achten hatte. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Ich saß auf dem Motorrad und die Beine kribbelten. Vor Kälte und vor Aufregung. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann los. Den ersten Gang reingeschmissen, Kupplung kommen lassen, ein kleiner Ruck und ab ging die Post. Mit ca 10 km/h und einem joggenden Fahrlehrer neben mir schlich ich stolz über den Bürgersteig einer Kleinstadt in Schleswig Holstein.

Am 17 Januar 1989, eine Woche nach meinem 18. Geburtstag hielt ich ihn in der Hand. Einen rosa Lappen mit meinem Bild drauf und der Fahrerlaubnis Klasse 1.

Ich war jetzt Biker, Rocker, King of the Road.

Meine 1. Maschine war eine alte silberne Vespa, die mir ein Cousin schenkte. Das ich irgendwie nur Rocker 2. Klasse war merkte ich erst nach und nach. Anfangs dachte ich, es sei ein Versehen, dass die anderen Motorradfahrer mich nicht grüßten. Später überlegte ich, ob ich vielleicht den falschen Helm trug oder mit der falschen Hand grüßte.

Ich schilderte einem Freund mein Problem. Der lachte bloß und sagte, Biker grüßen doch keine Rollerfahrer. Mist, ich war gar kein Rocker, ich war anscheinend ein Mod.

Ich versuchte das Beste aus meinem Schicksal zu machen und motzte die Vespa auf. Weißwandreifen, verchromte Anbauteile, ein paar Lampen mehr, eine weiße Sitzbank….Wenigstens die Rollerfahrer grüßten mich nun.

Ein paar Monate später machte mir ein Kumpel ein Angebot. Er wollte sein Motorrad verkaufen, weil er sich für ein neues entschieden hatte. Ich schlug zu und hatte mein erstes eigenes Motorrad. Eine Yamaha SR 500. 1 Zylinder mit Kickstarter, 34 PS und 130 km/h Spitzengeschwindigkeit. Jetzt aber…endlich Biker. Eine Kutte wurde gekauft, ein Helm mit dunklem Visier und Motorradstiefel. Ich war der König der Landstrassen.

Im Laufe der Jahre traten eine ganze Menge Motorräder in mein Leben und wieder raus. Ich fuhr Chopper, Rennmaschinen, Cruiser, Enduros und sogar eine Vespa war irgendwann wieder dabei.

Das merkwürdige am Bikertum fand ich immer, wie spießig doch die sogenannten Outlaws und Rocker und wie auch immer sie sich nennen mögen sind. Für jedes Motorrad brauchst du die richtigen Klamotten, den richtigen Helm, die richtigen Stiefel. Deine Maschine darf keine von der Stange sein, du mußt rumbasteln, lackieren, tunen. Racer grüßen keine Endurofahrer, Chopper- nur Chopperfahrer, Biker keine Rollerfahrer, Rollerfahrer nur Rollerfahrer und Harleysnobs nur andere Harleyfahrer.

Puh….und ich dachte der Führerschein wäre das Schwierigste.

23 Jahre nach Bestehen meines Führerscheins. Entschloß ich mich dazu Schluß zu machen. Genug geheizt, genug Fliegen gefressen, genug nassen Arsch bekommen, genug „um ein Haar hätte es geknallt“. Ich verkaufte mein letztes Motorrad. Eine schwarze Suzuki Bandit 1200, 98 PS, 220 km/h Spitze.

Ich war nun Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, ungegrüßt….

Vier Jahre ist das nun her…..und was soll ich sagen, es hat wieder gejuckt….ich habe gegoogelt, in Foren gestöbert und mich heiß gelesen, geredet und gedacht. Mit meiner Frau gesprochen, nicht auf Widerstand gestoßen und zack…ich fand sie. Der Grund warum ich vor 26 Jahren Führerschein gemacht habe.

Ich hab`s getan, ich habe mir eine Harley gekauft. Midlife crisis hin oder her. Ich bin weder Banker noch Zahnarzt und ich grüße auch Fahrer anderer Fabrikate. Ich bastel noch selbst ohne Werkstatt und ich fahre auch bei schlechtem Wetter, auch wenn ich früher noch nie so oft ein Motorrad geputzt und gewienert habe.

Ich gehöre jetzt dazu… „die Harleygesellschaft“…oder doch nicht? Im Vertrauen wurde mir gesagt, es müsste schon eine Road King, Street Glide oder Fat Boy, am besten aber eine V-Rod sein. IHR KÖNNT MICH MAL!

Ich trage weder Fransenjacke noch Harleywerbung auf den Klamotten. Ich fahre weil`s mir Spaß macht!

 

KEEP CALM AND RIDE ON

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Das Bartprojekt

 

Am Anfang war es klar. Rasieren war das Ziel. Der ersten Rasur wurde entgegen gefiebert. Männer rasierten sich.

Die ersten Gesichtshaare fingen an zu sprießen…..an der Oberlippe.

Plötzlich war es gar nicht mehr so klar. Wachsen lassen und zeigen was man hat oder rasieren?

Ich fand die Cowboys in den Filmen immer cool, die sich mit Spiegel in der Hand draußen am Feuer, über dem Kaffee und Bohnen kochten, mit dem großen Rasiermesser die Stoppeln vom wettergegerbten Gesicht schabten.

Ich war aber kein Cowboy und hatte weder ein gegerbtes Gesicht noch harte Stoppeln an den Wangen. Trotzdem besorgte ich mir Männerutensilien. Ein Rasiermesser mit auswechselbaren Klingen, einen Pinsel mit Wildschweinborsten und einen grünen Stick für den Seifenschaum.

Ich schäumte mir das ganze Gesicht ein und rasierte mir dann die Oberlippe. Ich war jetzt Nassrasierer.

Es war irgendwann Anfang / Mitte der 80er Jahre. Magnum, Schimanski, Lehrer und sogar Polizisten….alle hatten diesen haarigen Balken zwischen Nase und Oberlippe.

Ich konnte mich nicht entscheiden. Auf der einen Seite war ich Fan von Wikingerromanen und da hatten eben alle geflochtene Bärte, zum anderen hielt ich mich für die Reinkarnation von James Dean und der war glatt rasiert.

Also ließ ich es immer mal ein paar Tage wachsen und rasierte dann schließlich alles wieder ab.

Als ich älter wurde startete ich in regelmäßigen Abständen verschiedene Versuche. Ich muss dazu sagen, dass ich rückblickend wohl leicht beeinflussbar war. Sah ich Typen mit coolen Koteletten, ließ ich mir auch welche wachsen. Manchmal startete ich Vollbartversuche, bis es anfing zu jucken oder irgendein Bekannter oder Kollege sagte, es sähe ungepflegt aus oder es würde mir nicht stehen.

Ich ließ mich ein wenig auf die George Michael Drei-Tage-Bart-Welle ein, bis ich es irgendwie zu schwul fand. Der sogenannte Henriquatre, Goatee, Arschlochbart, bzw. Oberlippen- Kinnbart hielt sich schließlich eine Weile bei mir.

Manchmal überkam es mich und ich rasierte alles ab, nur um festzustellen, dass ich mir ganz ohne Bart irgendwie fremd vorkam.

So ging es über viele Jahre…. wachsen lassen und rasieren. Immer mit der Idee, mein Gesicht irgendwie zu verändern. Oder dachte ich mit einem veränderten Aussehen würde sich auch die Persönlichkeit ändern? Ich weiß es nicht.

Im Alter von 40 Jahren lernte ich die Frau kennen, die mein Leben verändern sollte. Da ich hier aber über mein Bartprojekt schreibe, will ich nicht zu sehr mit meinem Privatleben ablenken sondern beschränke mich an dieser Stelle auf mein Bartleben. Das andere vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.

Irgendwie….wahrscheinlich aus einer Bierlaune heraus, entstand so eine Art Wette. Ich sagte meiner Frau, dass ich den Bart, den Til Schweiger in seiner Rolle als Cynric im Film King Arthur trug, gut finden würde und sowas auch gerne hätte.

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Er hatte in diesem Film einen langen geflochtenen Kinnbart, der bis auf die Brust reichte….wahrscheinlich angeklebt aus einem geflochtenen Pferdeschweif. Die Reaktion meiner Frau machte mir klar, dies würde nun mein neues Projekt werden. Sie meinte, dazu wäre ich viel zu spießig und lachte.

Da stand ich nun am Anfang meiner neuen Bartkarriere. Das Motto lautete: wachsen lassen.

Anfänglich ließ sich das Projekt vor dritten noch gut kaschieren. Es war halt ein etwas längerer Kinnbart. Irgendwann kamen die ersten Reaktionen und die vielen zum größten Teil negativ, wenn nicht gar vernichtend aus.

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Ich hatte plötzlich neue Namen. Von Catweezle bis Sauerkraut am Kinn war alles dabei. Ich sähe aus, als wenn ich ein überfahrenes Tier im Gesicht hätte. Der Ausdruck frisch geficktes Eichhörnchen war auch dabei. Darf man das hier schreiben? Egal…

Zu meiner Überraschung muss ich dazu sagen, dass mich das alles relativ kalt ließ und ich lernte zu Kontern. Es schulte sozusagen meine Persönlichkeit und machte diese was meine Kritikfähigkeit anging sogar stärker.

Irgendwann wurden diese Sticheleien weniger. Als mein Bart schließlich eine Länge erreichte, dass sich das ganze auch noch flechten ließ, gab es in meiner näheren Umgebung unterschiedliche Positionen.

Es gab die Leute die den Kopf schüttelten, es gab die Menschen die das ganze echt cool fanden, es gab die die lästerten, aber doch gerne mal anfassen wollten und es gab sogar Menschen, denen war mein Bart völlig gleichgültig. Sie sahen mir bei Unterhaltungen in die Augen und nicht auf den Bart.

Ich fing wieder an zu probieren. Mit dem langen Kinnbart ließen sich verschiedene Kombinationen tragen. Koteletten, Dreitagebart, mal das volle Programm und mal der geflochtene Goatee.

Seit mittlerweile vier Jahren läuft dieses Projekt nun und was soll ich sagen? Ich bin doch nicht zu spießig.

 

Was ich daraus gelernt habe? Einiges!

Menschen beurteilen andere Menschen wegen ihrer Haare. Menschen wollen, dass man möglichst wenig auffällt. Menschen haben Hemmungen so zu sein, wie sie es für richtig halten.

Mal ein Beispiel: eine Arbeitskollegin kam zu mir und sagte, sie und ihre Kolleginnen hätten beschlossen, dass sie mir den Bart abschneiden. Er würde nicht gut aussehen und man würde darüber reden.

Nun kannte ich die genannte Kollegin schon etwas länger. Sie hat stark mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Ihr Mann behandelt sie ziemlich erniedrigend und zu guter Letzt wurde ihr Lohn zum Teil gepfändet, weil das Gehalt einfach nicht für die ganzen Einkäufe, Autos und Reisen reichen wollte und mittlerweile Privatinsolvenz angemeldet wurde. Und so eine Person hat nichts besseres zu tun als sich über meinen Bart aufzuregen?

Ein anderes Beispiel: meine Mutter…ihr war es peinlich, dass ihr Sohn nun so aussähe. Meine Mutter, seit 50 Jahren unglücklich verheiratet, unzufrieden mit ihrem Leben und dem schlechten Kontakt zu ihren Kindern und den Enkeln. Sie wollte eigentlich so vieles in ihrem Leben anders gemacht haben. Nun ist sie fast 80 und ihr Sohn trägt einfach so einen Bart….

und ein 3. Beispiel: ein Arbeitskollege ekelte sich förmlich vor meinem Bart. Ich muss dazu sagen, dass er ziemlich klein ist, unzufrieden mit seinem Job und seine Ehe zu diesem Zeitpunkt gerade zerbrach. Mit seinen drei Kindern hatte er ein sehr schwieriges Verhältnis.

Ich könnte jetzt so fort fahren, aber es kommt fast immer auf das Selbe heraus. Menschen die mit sich zufrieden sind, beurteilen andere Menschen weniger stark als Menschen, die mit sich und ihrer Umwelt Probleme haben. Vielleicht sollte man Menschen bei Gesprächen wieder mehr in die Augen sehen.

Mein Entschluss steht fester denn je:

KEEP CALM AND BEARD ON!

Jetzt erst recht

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