….on the Road again

2016-07-10 11.37.43

….es war 1988, dunkel, kalt, November. Meine erste Fahrstunde mit dem Motorrad. In zwei Monaten sollte ich 18 werden und ich wollte Biker werden.

Der Fahrlehrer erklärte mir fröstelnd und mit roter Nase die Armaturen und sagte mir worauf ich zu achten hatte. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Ich saß auf dem Motorrad und die Beine kribbelten. Vor Kälte und vor Aufregung. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann los. Den ersten Gang reingeschmissen, Kupplung kommen lassen, ein kleiner Ruck und ab ging die Post. Mit ca 10 km/h und einem joggenden Fahrlehrer neben mir schlich ich stolz über den Bürgersteig einer Kleinstadt in Schleswig Holstein.

Am 17 Januar 1989, eine Woche nach meinem 18. Geburtstag hielt ich ihn in der Hand. Einen rosa Lappen mit meinem Bild drauf und der Fahrerlaubnis Klasse 1.

Ich war jetzt Biker, Rocker, King of the Road.

Meine 1. Maschine war eine alte silberne Vespa, die mir ein Cousin schenkte. Das ich irgendwie nur Rocker 2. Klasse war merkte ich erst nach und nach. Anfangs dachte ich, es sei ein Versehen, dass die anderen Motorradfahrer mich nicht grüßten. Später überlegte ich, ob ich vielleicht den falschen Helm trug oder mit der falschen Hand grüßte.

Ich schilderte einem Freund mein Problem. Der lachte bloß und sagte, Biker grüßen doch keine Rollerfahrer. Mist, ich war gar kein Rocker, ich war anscheinend ein Mod.

Ich versuchte das Beste aus meinem Schicksal zu machen und motzte die Vespa auf. Weißwandreifen, verchromte Anbauteile, ein paar Lampen mehr, eine weiße Sitzbank….Wenigstens die Rollerfahrer grüßten mich nun.

Ein paar Monate später machte mir ein Kumpel ein Angebot. Er wollte sein Motorrad verkaufen, weil er sich für ein neues entschieden hatte. Ich schlug zu und hatte mein erstes eigenes Motorrad. Eine Yamaha SR 500. 1 Zylinder mit Kickstarter, 34 PS und 130 km/h Spitzengeschwindigkeit. Jetzt aber…endlich Biker. Eine Kutte wurde gekauft, ein Helm mit dunklem Visier und Motorradstiefel. Ich war der König der Landstrassen.

Im Laufe der Jahre traten eine ganze Menge Motorräder in mein Leben und wieder raus. Ich fuhr Chopper, Rennmaschinen, Cruiser, Enduros und sogar eine Vespa war irgendwann wieder dabei.

Das merkwürdige am Bikertum fand ich immer, wie spießig doch die sogenannten Outlaws und Rocker und wie auch immer sie sich nennen mögen sind. Für jedes Motorrad brauchst du die richtigen Klamotten, den richtigen Helm, die richtigen Stiefel. Deine Maschine darf keine von der Stange sein, du mußt rumbasteln, lackieren, tunen. Racer grüßen keine Endurofahrer, Chopper- nur Chopperfahrer, Biker keine Rollerfahrer, Rollerfahrer nur Rollerfahrer und Harleysnobs nur andere Harleyfahrer.

Puh….und ich dachte der Führerschein wäre das Schwierigste.

23 Jahre nach Bestehen meines Führerscheins. Entschloß ich mich dazu Schluß zu machen. Genug geheizt, genug Fliegen gefressen, genug nassen Arsch bekommen, genug „um ein Haar hätte es geknallt“. Ich verkaufte mein letztes Motorrad. Eine schwarze Suzuki Bandit 1200, 98 PS, 220 km/h Spitze.

Ich war nun Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, ungegrüßt….

Vier Jahre ist das nun her…..und was soll ich sagen, es hat wieder gejuckt….ich habe gegoogelt, in Foren gestöbert und mich heiß gelesen, geredet und gedacht. Mit meiner Frau gesprochen, nicht auf Widerstand gestoßen und zack…ich fand sie. Der Grund warum ich vor 26 Jahren Führerschein gemacht habe.

Ich hab`s getan, ich habe mir eine Harley gekauft. Midlife crisis hin oder her. Ich bin weder Banker noch Zahnarzt und ich grüße auch Fahrer anderer Fabrikate. Ich bastel noch selbst ohne Werkstatt und ich fahre auch bei schlechtem Wetter, auch wenn ich früher noch nie so oft ein Motorrad geputzt und gewienert habe.

Ich gehöre jetzt dazu… „die Harleygesellschaft“…oder doch nicht? Im Vertrauen wurde mir gesagt, es müsste schon eine Road King, Street Glide oder Fat Boy, am besten aber eine V-Rod sein. IHR KÖNNT MICH MAL!

Ich trage weder Fransenjacke noch Harleywerbung auf den Klamotten. Ich fahre weil`s mir Spaß macht!

 

KEEP CALM AND RIDE ON

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3 Gedanken zu “….on the Road again

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